Institut für Kunstgeschichte
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Hinterglasmalerei als Technik der Klassischen Moderne 1905–1955

campendonk selbstbildnis      selbstbildnis rück

HEINRICH CAMPENDONK: Selbstbildnis, Vorder- und Rückseite, 1917, 42 x 32 cm, Clemens Sels Museum, Neuss , WVZ 705

Das Institut für Kunstgeschichte ist beteiligt an der erfolgreichen Einwerbung eines Drittmittelprojekts zur "Hinterglasmalerei als Technik der Klassischen Moderne von 1905 – 1955". Das vom Stadtmuseum Penzberg initiierte Projekt wird ab Herbst 2015 von der VolkswagenStiftung als "Forschung im Museum" finanziert. Ausgangspunkt für das mit dem Doerner Institut und BAM Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung beantragte Vorhaben ist ein Konvolut an Hinterglasbildern Campendonks in der Sammlung des Penzberger Museums.

Die Technik der Hinterglasmalerei, also die rückwärtige Bemalung einer Glastafel, ist zumeist nur aus der Volkskunst bekannt. Durch Gabriele Münter wurde sie 1908/09 in die Gruppe von Künstlern, die später unter dem Namen "Der Blaue Reiter" mit Ausstellung und Almanach berühmt wurden, als Anregung eingebracht. Bereits 1911 hingen in der Münchner Ausstellung drei Hinterglasbilder Kandinskys, Marcs und Campendonks. Von hier aus wurde die Technik weiter verbreitet: August Macke brachte sie aus Bayern bei seiner Rückkehr in die Gruppe der Rheinischen Expressionisten ein; die Berliner Avantgardegalerie "Der Sturm" wurde zu einem weiteren Zentrum und auch am Bauhaus entstanden Hinterglasbilder. Obwohl gerade die Klassische Moderne sehr gut erforscht ist, hat sich die Kunstgeschichte bisher nicht eingehend mit dieser Werkgruppe beschäftigt, die keineswegs nur ein Randphänomen war.

Der grundsätzlich experimentelle Charakter der Hinterglasmalerei der Zeit zwischen 1905 und 1955 schuf als nicht-akademische, dem Kunsthandwerk entlehnte Technik ein Feld für individuelle künstlerische Entwicklungen. Daher eröffnet nun die interdisziplinäre Forschung von Kunsthistorikern, Restauratoren und Naturwissenschaftlern in ihren Untersuchungen der Hinterglasbilder die Chance, einen tiefgehenden Einblick in maltechnische und künstlerische Experimente zu nehmen. Auch die Wirkung neuer Pigmente und Bindemittelsysteme wurden ausprobiert. Die Farbmittelindustrie hatte nach 1900 durch neue Produkte die Palette enorm erweitert. Vor allem Teerfarbstoffe (synthetische organische Farben) mit ihren reinen, leuchtkräftigen Farbtönen, aber auch neue anorganische Pigmente fanden rasch künstlerische Verwendung. Speziell am Werk Heinrich Campendonks kann die gesamte Entwicklung dieser Hinterglasmalerei detailliert studiert werden, da er sie von 1911 bis ins Spätwerk der 50-er Jahre ausübte und sie auch als Lehrer weitergegeben hat.

Am Institut für Kunstgeschichte wird ein Dissertationsvorhaben zu Campendonks Hinterglasbildern angesiedelt (Diana Oesterle, Betreuung Prof. Dr. Burcu Dogramaci), auch Lehrveranstaltungen sollen zukünftig zum Thema angeboten werden. Überdies richtet das Institut im Jahr 2017 eine große Hinterglastagung mit aus und organisiert einen Workshop zur Hinterglasmalerei im Umfeld der Galerie "Der Sturm".